Corina Raisch – GR 27.02.2019, Vorlage 008 / 2019

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir Freien Wähler stellen gemeinsam mit der CDU und SPD Fraktion einen interfraktionellen Abänderungsantrag. 

Der Beschlussantrag soll wie folgt geändert werden: 

  1. Der Gemeinderat beschließt, dass im Generalplaner-Wettbewerb für den Neubau der Sporthalle 1 die zusätzliche Anforderung von einer Zuschauerkapazität von 950 Zuschauern mit 750 Sitzplätzen und 200 Stehplätzen aufgenommen wird.
  2. Im Raumprogramm muss ein teilbarer Mehrzweckraum von mindestens 100 qm eingeplant sein.

Vor genau 45 Jahren gab es Ende Januar ein großes Festwochenende in Nellingen:
Am 26.Januar 1974 wurde die neu gebaute Sporthalle 1 eingeweiht, stolz wurde der Bürgerschaft vom damaligen Bürgermeister Karl-Friedrich Binder und dem Gemeinderat eine Großsporthalle präsentiert und als Höhepunkt turnte der ehemalige Reck-Weltmeister Eberhard Gienger seine Übung am Reck vor vollbesetztem Haus. Ein Blick ins Archiv zeigt, dass man Ende der sechziger Jahre mit der Planung für ein Bildungszentrum mit weiterführenden Schulen und einer Großsporthalle groß und weitsichtig gedacht hat.

Wenn wir heute den Neubau der Sporthalle beschließen, werden auch wir noch geduldig ca. Jahre bis 2022 auf die Einweihung nach vorliegendem Zeitplan warten müssen. Und die Planer von damals können sich bestätigt sehen: Unser Schulcampus inklusive Sporthalle platzt aus allen Nähten, die Sporthalle wird intensiv genutzt durch den Schulsport, Vereinssport, die VHS – die Halle ist ausgelastet.

Die einst so stolz eingeweihte Großsporthalle hat ihre besten Jahre hinter sich – was nach fast einem halben Jahrhundert ohne eine umfassende Sanierung auch nicht verwundert. Die Entscheidung für einen Neubau und den passenden Standort war schnell gefunden, anders jedoch die Frage nach der Zuschauerkapazität. Der ursprünglichen Variante der Verwaltung von einer deutlich verkleinerten Halle von nur noch 400 Zuschauern zu aktuell 1000 Zuschauern konnten wir Freien Wähler von Beginn an nicht zustimmen.

Wir erleben Ostfildern als eine wachsende Stadt in jeder Hinsicht und auch unsere Stadt gibt sich auf der Homepage den Slogan:

„Wir bauen heute an der Stadt von morgen“.

Genau das wollen wir tun! Wenn wir zukunftsorientiert bauen wollen, aber gleichzeitig die aktuelle Kapazität fast um die Hälfte reduziert hätten, ist das ein Widerspruch. Ostfildern bezeichnet sich zudem als Sportstadt, und dies zu Recht, denn wir haben hervorragende Sportvereine, und eine tolle Jugendarbeit in allen Stadtteilen, die Landessportschule in Ruit und eine erfolgreiche Frauenhandballmannschaft in der 1.Bundesliga. Angesichts dieser Tatsachen nun rückwärts zu denken und zu planen, wäre ein Schildbürgerstreich und auch ökonomisch nicht zu rechtfertigen..

Ja, wir investieren viel Geld. Eine solide Finanzpolitik hat für uns Freie Wähler stets hohe Priorität – aber an der falschen Stelle zu sparen und dann bald darauf festzustellen, dass man zu klein gebaut hat, wäre unverantwortlich. Wir haben dabei die Bedürfnisse der Nutzer im Blick:

Bei vielen Gesprächen mit den Nutzern der Sporthalle wurden  klar deren Bedürfnisse nach einem Raumprogramm mit multifunktionalen Räumen für den Schul- und Wettkampfbetrieb formuliert. In unserer Haushaltsrede haben wir daher mit dem Blick nach vorne eine Halle von 1000 Zuschauern gefordert.

Aktuell wird die Halle inklusive der Stehplätze bei Bundesligaspielen oder einer Großveranstaltung wie der Jubiläumsshow des TVN bereits mit 1000 Zuschauern genutzt. Wir dürfen jetzt nicht die einmalige Chance vertun, diesen Standard zu erhalten.

Zudem steht auch die Bundesliga-Tauglichkeit für die Frauenhandballmannschaft im Fokus. Natürlich bauen wir auch eine Halle mit diesen Anforderungen wohlwissend, dass es im Sport immer Bewegung gibt. Es gab in der Vergangenheit eine Männerhandballmannschaft aus Scharnhausen in der Bundesliga, die Turner des TVN waren erfolgreich und nun unsere Schwaben Hornets. Und wer weiß, was die Zukunft bringt, wir sind mit dieser Hallengröße jedenfalls für alle Sportvereine unserer Stadt gut gerüstet.

Ostfildern kann stolz sein auf seine Frauenhandballmannschaft in der 1.Bundesliga. Es ist für unsere Sportstadt Ostfildern ein hervorragendes Aushängeschild und der Spitzensport beginnt bereits im Breitensport bei den ganz Kleinen. Der TVN legt viel Wert auf eine gute technische Ausbildung und setzt ausnahmslos lizensierte Trainer ein. Für diese Arbeit ist der TVN in den letzten 3 Jahren von der Sportregion für die beste Gesamtjugendarbeit in Württemberg ausgezeichnet worden, auch dieser Aspekt darf an dieser Stelle mal Beachtung finden. Um solche Erfolge auch weiterhin gewährleisten zu können, gibt es eine enge Kooperation mit dem OHG und der Realschule, Schule und Leistungssport könnten hier in vernünftigen Einklang gebracht werden. Es sind nicht nur große Visionen, sondern viel tägliche Vereinsarbeit, und diese Arbeit braucht eine angemessene Halle mit multifunktionalen Mehrzweckräumen.

Wir bauen keine Halle für eine bestimmte Mannschaft oder einen bestimmten Stadtteil – der Standort Nellingen ist durch den Schulcampus bedingt – sondern hier dürfen und sollten wir wirklich Stadtteilübergreifend denken:

Mit der Zuschauerkapazität von 950 Plätzen steht allen Bürgern unserer Stadt eine Sporthalle zur Verfügung für erfolgreichen Vereinssport und Sport- und Schulveranstaltungen.

Der Gemeinderat war Anfang der Siebziger Jahre sehr mutig und vorausschauend, es wurde groß gedacht und gebaut, es herrschte eine Art ‚Goldgräberstimmung‘ laut unserem Stadtarchivar… Gold werden wir jetzt zwar nicht finden, aber lassen wir uns von dieser Stimmung doch anstecken und treffen heute eine historische Entscheidung für die Zukunft unserer nachfolgenden Generationen … wir bauen eine neue Sporthalle für alle Bürgerinnen und Bürger von Ostfildern!

Für die Fraktion:
Corina Raisch


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    • 19.11.2019
    Hauptversammlung Freie Wähler