Steffen Kaiser – Durchaus GR-Sitzung 13.11.2019

Stellungnahme zur Vorlage 131/2019

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Bolay,
sehr geehrte Damen und Herren,

„Deutschland kann das Klima nicht alleine retten“ schrieb der Kieler Wirtschaftswissenschaftler Gabriel Felbermayr im August 2019. Das ist richtig. Trotzdem können und müssen wir alle einen zentralen Beitrag dazu leisten. Die Beantwortung des Forderungskatalogs, den Schüler der Stadtverwaltung im Rahmen ihrer Klimaschutzdemonstration überreicht haben, zeigt, dass viele Punkte bereits bearbeitet oder umgesetzt werden. Dies ist positiv hervorzuheben. So werden sämtliche städtischen Einrichtungen ausschließlich mit Ökostrom versorgt bzw. mittels eigener BHKWs oder PV-Anlagen. Bei Neubaugebieten werden Nahwärmekonzepte bereits umgesetzt oder geplant. Auch bei der Bepflanzung städtischer Grünlagen werden verstärkt insektenfreundliche Pflanzen gewählt. Diese Aufzählung kann leicht vorgesetzt werden.
Natürlich sind alle Punkte ausbaufähig. So kann nicht von einem engmaschigen und guten Radwegenetz gesprochen werden und auch die Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs lässt Spielraum.
Bei allem Enthusiasmus sollten wir jedoch nicht vergessen, unseren gesunden Menschenverstand zu gebrauchen. 1000 Bäume in der Kommune zu pflanzen ist ein ehrenwertes Ziel. Doch sollten Baumstandorte nicht nur mit dem Ziel, so viele als möglich, ausgesucht werden. Nur Bäume, die an guten Standorten viele Jahrzehnte stehen können, sind wertvoll.
Umwelt- und Klimaschutz, das wird an den Baumstandorten ebenso deutlich wie an vielen anderen Themen, sollte immer aus fachlicher Perspektive durchgeführt werden. Ansonsten können Zeit und Geld für unsinnige Projekte verschwendet werden. Nehmen Sie zum Beispiel die Landwirte noch stärker mit ins Boot, wie wir in unserer Haushaltsrede bereits vorgeschlagen haben, und beginnen Sie gemeinsam, blühende Landschaften zu generieren. Nicht nur fordern, sondern auch fördern. Wir leben hier auf mit den besten Böden der Welt. Ohne Nachdenken zerstören wir diese Böden durch immer neue Besiedlung. Geschützt werden absurderweise minderwertige Böden, weil auf diesen durchaus wertvolle Streuobstwiesen stehen. Macht das aber Sinn?
Macht es Sinn, Klimaschutz und vegetarische oder gar vegane Ernährung zu koppeln? Wer sich regional und saisonal ernährt und nicht jeden Tag Fleisch genießt, kann die heimische Landwirtschaft fördern. Wer sich hauptsächlich von Sojaprodukten, angebaut auf abgeholzten brasilianischen Regenwäldern ernährt, kann der das auch? Wie soll Landwirtschaft funktionieren, wenn keine Tiere mehr gehalten werden, die den notwendigen Dünger liefern. Landwirtschaft ist Kreislaufwirtschaft. Sicherlich sind die industriellen Massentierhaltungsbetriebe abzulehnen. Aber gibt es diese nicht vor allem deshalb, weil sie politisch gefördert und über das Einkaufverhalten der Konsumenten auch gefordert werden?
Die Stellungnahme der Stadt Ostfildern macht deutlich, es geht etwas voran. Wenn wir jedoch mehr erreichen wollen, muss jeder seinen Teil dazu beitragen. Das ist schwieriger, als wortgewandt andere Menschen und Organisationen auf ihre Fehler hinzuweisen. Nur so können wir dazu beitragen, die Klimaveränderung aufzuhalten, und somit die Lebensgrundlage für uns und unsere Kinder nicht weiter zu zerstören.
Wir nehmen den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis und stimmen dem Beschlussantrag zu.

Für die Fraktion
Steffen Kaiser


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