GR 02.03.2011

Vorlage 130/2010

Um die langwierige Diskussion um die Zukunft unserer Stadtteilbibliotheken zu verstehen, muss man noch einmal zu den Anfängen zurückgehen:

Ausgangspunkt war der erkennbare bedrohliche Engpass der Gemeindefinanzen im letzten Jahr, dessen Ursache wir alle kennen. In einer Klausur im April 2010 und danach in den Vorlagen 100 und 100/1, letztere mit Datum vom Juli 2010, wurde von Verwaltung und Gemeinderat im Rahmen des notwendigen Sparszenarios auch ein Prüfungsauftrag zum Thema Einsparungen im Bereich der Bücherei erteilt.

Umso überraschter waren wir Freien Wähler dann, als wir mit der Vorlage 130/2010 die Vorstellungen der Verwaltung vorgelegt bekamen, die dann auch vom OB und dem Fachbereich 2 der Öffentlichkeit am 26.November 2010 in Scharnhausen vorgestellt wurden:

  • Schließung der Zweigstellen Ruit und Scharnhausen
  • Frei werdende Personalkapazitäten könnten zu einer Erweiterung der Öffnungszeiten in den verbleibenden Standorten eingesetzt werden und zugleich den Mehrbedarf in der neuen Zentrale im KuBinO abdecken
  • Frei werdende Finanzmittel würden den Medienbestand nicht nur stabilisieren sondern es wäre möglich, diesen auch auszubauen.

Das war ein plötzlicher Paradigmenwechsel:

das Gesamtsystem soll so „gestärkt“ werden, dass „weiterhin eine zielgerichtete und gute Bibliotheksarbeit geleistet werden kann“. Der Gedanke an die Sparnotwendigkeit ist im Verwaltungsbereich offenbar abhanden gekommen gewesen. Gespart werden soll jetzt dadurch, dass nicht mehr ausgegeben wird !

Auf eine bei der Veranstaltung in Scharnhausen an den OB gerichtete Frage aus der Bürgerschaft, ob denn die Raumkosten oder die Personalkosten der Zweigstellen Scharnhausen und Ruit das Hauptproblem darstelle, kam die Antwort, die Personalkosten „drückten“ mehr.

Wir Freien Wähler haben nun in den Vorberatungen von der SPD Unterstützung zu unserem Vorschlag erhalten, den OB Bolay jetzt heute vorstellt.

Die beiden Zweigstellen ehrenamtlich weiter zu betreiben ist eine ehrgeizige Aufgabe. Wir sind aber sicher, dass sich genügend Mitbürger finden werden, um diese Aufgabe nach entsprechender Anleitung zu bewältigen. Wir Freien Wähler sind (aber) der Meinung, dass auch die Bücherei in Scharnhausen in ihren bisherigen Räumen und nicht an der Wasenäckerschule verbleiben soll, sonst würde zu einer Verödung des Stadtteilzentrums beigetragen werden. Da sich auch der Treffpunkt in diesem Haus befindet, bliebe dies ein Ort der Begegnung von jung und alt, sozusagen ein „intergenerativer Treffpunkt“, wie man heutzutage sagt.

Einen Versuch ist das allemal wert!

Freiwerdende Arbeitszeit des Büchereipersonals kann damit an anderer Stelle eingesetzt werden. Auf eine Ausweitung der Öffnungszeiten in der neuen Zentrale und den verbleibenden Zweigstellen muss aber zumindest bei der derzeitigen Finanzlage verzichtet werden.

Den Vorschlag, bestellte Medien für weniger mobile Personen einmal pro Woche in die Treffpunkte zu liefern, von wo sie auch wieder abgeholt werden würden, möchten wir ausdrücklich unterstützen. Hierbei kann vielleicht die Agentur Fenster beim Transport unterstützen.

Ein Nachsatz muss noch sein: wir sind über die Unbeweglichkeit des Fachbereichs und der Büchereileitung bei dieser Diskussion – vorsichtig ausgedrückt – schon etwas erstaunt, freuen uns aber jetzt über die Teileinsicht unserer Verwaltung.

Für die Fraktion:

Dr. J. Dinkelacker


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